Die frivole Seite von Cap d' Agde
- Schweinchenstrand -


Wenn man vom Heliopolis kommend etwa einen Kilometer entlang eines fast menschenleeren bis zu 100 Metern breiten herrlichen Sandstrandes in Richtung Marseillan-Plage entlangschlendert, ändert sich die Strandbelegungsdichte fast schlagartig. Auf einem recht kleinen Areal tummeln sich hunderte Leute. Für die Uneingeweihten hier der Hinweis, der mobile Eisstand am Strand ist nicht der Grund. Das ist er nun, der berühmt-berüchtigte 'Schweinchenstrand'.
Eine gespannte Ruhe liegt über dem Areal. Paare aller Altersklassen und einzelne Herren halten Ausschau nach der nächsten Strand-Action. Zwischendurch wird allerorts mehr oder wenig offen gefummelt. Vom schüchternen Streicheln weiblicher Brüste bis zum piano Blaskonzert ist alles zu sehen. Die legendären Menschentrauben bilden sich dann, wenn größere Action angesagt ist. Sobald sich eine mehr oder weniger große Gruppe zu offenem Sex zusammengefunden hat, verbreitet sich das wie ein Lauffeuer unter dem wartenden Publikum. In kurzer Zeit bildet sich ein Ring von einzelnen Herren und neugierigen Paaren um den Ort des Geschehens. Während im Ring ungeniert Gruppensex betrieben wird, fummelt das Publikum an sich selbst oder am Partner, zumindest die, die sich trauen.


Nach dem Höhepunkt der freizügigen Show, mit begeisterndem Beifall wird meist nicht gespart, löst sich die Versammlung auf und man wartet auf den Startschuß zur nächsten Runde. Paare, die sich den entsprechenden Appetit geholt haben, gehen oft noch selbst zur Sache. Wer ganz Ganze etwas verdeckter angeht, kommt auch ohne Menschenauflauf auf seine Kosten.
Während der Saison, d.h. in den Monaten Juli und August, ist der Container oberhalb des Strandes mit Polizei belegt. Diese wacht per Fernglas aufmerksam über das Treiben am Strand und versucht die größeren Aktionen zu unterbinden. Einsätze per Pferd oder Quad, auch unter Einsatz von Reizgas, können da schon mal vorkommen. Die Jungs sind da nicht zimperlich. Wer sich erwischen läßt, muß mit einer Anzeige im Wert von mehreren hundert Euro rechnen. In der Vor- bzw. Nachsaison läßt sich ab und zu gegen 17 Uhr mal kurz ein Flic am Container sehen, stellt fest, daß alles ist wie immer und verschwindet dann beruhigt wieder. Nach dem 20. September waren die Polizeicontainer dann im Winterquartier. Ab dem 15. Juni werden diese dann wieder aufgebaut, um in der Hauptsaison den 'Spielverderbern in Uniform' Unterschlupf zu bieten.
Ein besonderes Kapitel sind die direkt hinter dem Strand gelegenen Dünen. Wer als Paar denkt, er könnte dort ungestört zugange sein, täuscht sich gewaltig. Kaum hat ein Paar das Dünengelände betreten, schon zieht die Spannerkarawane unaufhaltsam hinterher. So ist die Gegend dort eher etwas für Exhibitionisten oder auch die etwas größere Orgie. Gangbang, SM-Shows und Abspritzorgien kann man dort live miterleben. In der Saison versuchen berittene Polizeistreifen das Treiben zu unterbinden.

Auch Erlebnisse der etwas kurioseren Art gibt es. So kann es durchaus passieren, daß jemand im Schweinekostüm laut grunzend über den Strandabschnitt läuft oder plötzlich innerhalb der einem Blaskonzert beiwohnenden Menschentraube ein Witzbold mit Weihnachtsmannmütze und Gitarre auftaucht und einen auf Troubadour macht.

Fazit: Wer ein offenes und ungezwungenes Verhältnis zu Sex in der Öffentlichkeit hat, dem ist dieser Strand zu empfehlen, alle anderen sollten sich das Ganze ersparen und sich auf den restlichen 98 Prozent des Strandes ungestört sonnen.


Im Frühjahr 2006 und Sommer stand dieses Schild am Strand. Man droht mit einem Jahr Knast oder 15000 Euro Strafe bei sexuellen Aktivitäten am Strand.
Im nächsten Jahr, die Bürgermeisterwahl war vorüber, war das Schild wieder verschwunden.
Hier die international verständ-liche Übersetzung.

Offensichtlich war man darauf bedacht, das Ganze auch außerhalb der Hochsaison knallhart umzusetzen. Seit Mai war Polizei fast täglich am Strand präsent und startet Attacken gegen das frivole Treiben. Zwischen 16 und 18 Uhr tauchen meist bis zu 5 der Herren in blauer Uniform am Strand auf und machen vorwiegend in den Dünen zu Pferd und zu Fuß regelrechte Jagd auf Strandgäste und führt diese auch bis in den Polizeicontainer ab.
Per Fernglas wird aber auch der Strand überwacht. Sobald man dort etwas 'Verfolgungswürdiges' am Strand entdeckt, startet die Polizei auch Einsätze zu Pferd und zu Fuß direkt am Strand und versucht die Verursacher zu greifen. Doch die Masse wehrt sich durch intensives Ausbuhen und unter lautstarkem Pfeifkonzert müssen die Uniformierten wieder abziehen.
Durch die Polizeipräsenz leidet das Flair am Strand ganz enorm. Früher wurden durch die größeren Aktionen die Spanner vorwiegend aufgesaugt und inmitten gleichgesinnter Paare war wesentlich mehr möglich. Jetzt strömt die Spannermeute sofort bei jeder Regung in Massen herbei und dadurch wird dann natürlich auch die Polizeiwache aufmerksam.

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